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Book review – Freiheit Gleichheit Kunstraub – Benedicte Savoy

Kunstraub gab es schon zu biblischen Zeiten. Weitaus systematischer aber wurde Kunst nach den Revolutionskriegen geraubt – über den großen Beutezug für den Louvre berichtet Bénédicte Savoys neuestes Werk.
Um es vorweg zu sagen: Dieses Buch ist ausgezeichnet, gut geschrieben und spannend zu lesen. Die beigefügte CD-ROM, auf der die Objekte der berühmten Pariser Beutekunstausstellung aus dem Jahre 1807 zu sehen sind, hat Eigenwert. Umso mehr schmerzt es, auf einen irreführenden Fehler zu stoßen, noch ehe die Lektüre beginnt. “Kunstraub. Napoleons Konfiszierungen in Deutschland und die europäischen Folgen”, lautet der Titel der deutschen Ausgabe, und der ist falsch.

Der Kunstraub des revolutionären Frankreich begann 1794. Zu diesem Zeitpunkt hatte Napoleon gerade seinen ersten militärischen Achtungserfolg bei der Belagerung von Toulon hinter sich und besaß weder Ehrgeiz noch Möglichkeit, sich zum Paten des organisierten Kunstraubs aufzuschwingen. Warum der Verlag die geschichtliche Abfolge so durcheinanderbringt, wissen die Götter. An der Autorin liegt es nicht. Sie weist überzeugend nach, dass Napoleon für die von ihm veranlassten Beutezüge Pfade benutzte, die längst eingetreten waren, von der Revolution nämlich.

“Freiheit – Gleichheit – Französische Republik. Das dritte Jahr der Einen und Unteilbaren Republik, den 18. Vendémaire. Ich, P. Tinet, Mitglied der agence de commerce et approvisionnement, eingerichtet bei der Nordarmee und der Ardennenarmee auf Beschluss des Wohlfahrtsausschusses vom vergangenen 24. Floréal für die Extraktion von Objekten aus Handel, Wissenschaft und Kunst in den eroberten Ländern, habe mich in die Kirche Sankt Peter zu Köln begeben, um dort ein Gemälde von Rubens entfernen zu lassen, welches die Kreuzigung Petri darstellt. Es misst zehneinhalb Fuß in der Höhe sowie sieben Fuß und ein Zollbreit in der Länge … .”

Der Auszug eines Beschlagnahmeprotokolls vom 9. Oktober 1794. In diesen Tagen hatte sich die siegreiche Armee der Republik gerade Köln einverleibt. In ihrem Tross marschierten nicht nur Marketenderinnen, sondern auch Kommissare sogenannter Extraktions-Behörden. Diese hatten den Auftrag, im eroberten Gebiet Schlösser und Kirchen nach interessanten Kunstgegenständen zu durchforsten. Bei dem Beutezug, an dem jener Monsieur Tinet beteiligt war und in dessen Verlauf Aachen, Köln, Bonn und Koblenz heimgesucht wurden, fiel reiche Beute an:

“Mehrere tausend Drucke und Handschriften, mehr als 6.000 Meisterzeichnungen und 20.000 druckgraphische Blätter, antike Säulen, Münzen und Medaillen, römische Sarkophage, alte Artilleriestücke, wertvolle Steine und andere minderalogische Objekte.”

moree:

 

Freiheit Gleichheit Kunstraub – Benedicte Savoy .

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