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Vier Gemälde kehren in die Alte Nationalgalerie zurück

Freitag, 4. Dezember 2009 07:08  – Von Gabriela Walde
“Vier verlorene Kinder sind zurück!”, geradezu emotional kündigte Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen, gestern in der Alten Nationalgalerie die Rückkehr von vier Gemälden an.

Allesamt stammen sie aus dem 19. Jahrhundert und galten seit 1945 verschollen: Charles Hoguets “Brücke über einen Fluss”, Eduard Meyerheims “Kinder vor der Haustür” und Virgilio Narcisse Díaz de la Peñas “Waldinneres”. Das Prunkstück unter den Rückkehrern dürfte Carl Blechens lichtdurchfluteter “Weg nach Castel Gandolfo” (1830) sein. Nach dem die vergilbte Firnes behutsam abgenommen wurde, leuchtet es nun frisch restauriert in malerischer Schönheit. Ab Januar 2010, nach Abbau der Carus-Ausstellung, wird es zusammen mit 35 anderen Werken des Künstlers im Blechen-Saal zu sehen sein. Dort, wo es auch früher hing. 1881 gab es im Haus die erste große Blechen-Retrospektive überhaupt.

Nicht alle verschollenen Werke gehören zur sogenannten Beutekunst, vieles wurde in den Kriegswirren zerstört oder durch (privaten) Diebstahl entwendet, oft kann aber die Art des Verlustes schlichtweg nicht näher bestimmt werden – wie es auch bei den vier Berliner Gemälden der Fall ist. Sie wurden alle unabhängig voneinander im Kunsthandel aus privater Hand angeboten. Blechen tauchte 2007 in München auf. Eine Echtheitsprüfung ergab, dass das Werk nach Berlin gehörte. Heute weiß man nur, dass das Gemälde aus Schutzgründen in den Flakbunker Zoo ausgelagert wurde. Vor dem Zweiten Weltkrieg besaß das Haus auf der Insel 47 Blechen-Gemälde, heute fehlen noch 13 Werke.

Erst nach der Wiedervereinigung war es überhaupt möglich, die genauen Verluste der Staatlichen Museen zu dokumentieren. Im geteilten Berlin gab es zwischen den Museumsleuten Ost und West eine von DDR-Seite verordnete Kontaktsperre. Die Alte Nationalgalerie vermisst aktuell 600, die Neue Nationalgalerie 800 Werke – ein Drittel des Bestandes. Die vier Gemälde bezeichnete Eissenhauer vor dem Hintergrund dieser dramatischen Verluste als ein “Rinnsal der Rückführung”.

Diese Rückführungen basieren heute oft auf diplomatischen Verhandlungen. Stiftungspräsident Hermann Parzinger lobte die “sehr gute Zusammenarbeit” zwischen den rückgabewilligen Besitzern und den internationalen Kunsthäusern wie Christie’s und Sotheby’s. In der Regel, so weiß man bei der Stiftung, sind die Auktionshäuser heute sehr vorsichtig im Umgang mit Werken, deren Provenienz nicht eindeutig geklärt ist. Mittlerweile fühlen sich die Kunsthändler einem Ehrenkodex verpflichtet, der gute Ruf und damit auch die Geschäftsbeziehungen stehen auf dem Spiel. Kommt es zu einvernehmlichen Lösungen zwischen beiden Seiten wird ein Aufwendungsersatz, bzw. ein Finderlohn ausgehandelt. Im Allgemeinen gilt ein Satz von zehn Prozent des Marktwertes. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Rückgabeverhandlungen sind laut Parzinger allerdings schwieriger als in anderen Ländern, wo es “optimaler läuft”. In Deutschland gilt auch auf Kunstwerke die Verjährungsfrist von dreißig Jahren – damit entfällt jegliche rechtliche Handhabung. So erklärt es sich auch, dass man in den seltensten Fällen Details des jahrzehntelangen Verbleibs rekonstruieren kann, zumal die Besitzer meistens anonym bleiben.

Gerade in den letzten Jahren sind vermehrt verschollene Werke aufgetaucht. Das liegt unter anderem daran, dass Dokumentationen lückenloser geworden sind und Provenienzforschungen professioneller. Zudem, so Eissenhauer, gäbe es einen wichtigen Generationswechsel, wo Kunstwerke frei und von den Erben nicht selten veräußert werden. Dazu passe ein zunehmender Bewusstseinswandel, wonach Kunstwerke nicht mehr nur beliebige Warenwerte darstellten, sondern zunehmend als geachtete Träger “kultureller und historischer Identität” verstanden werden.

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