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Stadt Köln wehrt sich nach Einsturz gegen Vorwürfe. Nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln haben Rettungskräfte mit der Bergung von ersten Dokumenten begonnen

Köln. Die Kölner Stadtverwaltung wehrt sich nach dem Einsturz des historischen Stadtarchivs gegen Vorwürfe, sie habe Warnungen vor Rissen im Mauerwerk nicht ernst genommen. Die Risse seien nicht Ursache für das Unglück gewesen. Die Suche nach Vermissten wird derweil fortgesetzt.

Mehr als 16 Stunden nach dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs in Köln hält am Mittwoch die Suche nach möglichen Verschütteten unvermindert an. Wie ein Feuerwehrsprecher am Morgen sagte, wird von zwei bis fünf vermissten Menschen ausgegangen. Andere Angaben sprechen von drei Personen. Die Suche nach ihnen könne erst fortgesetzt werden, wenn die Unglücksstelle stabilisiert ist, hieß es. Dazu werde die Unglücksstelle mit rund 1000 Kubikmetern Beton gesichert, sagte der Sprecher. Dadurch solle verhindert werden, dass der Boden erneut nachgibt.


In der Nacht setzten die Einsatzkräfte die Aufräumarbeiten unvermindert fort. Foto: ddp

In der Nacht setzten die Einsatzkräfte die Aufräumarbeiten unvermindert fort. Hinter dem komplett zusammengestürzten Gebäude seien mehrere Garagen abgerissen worden, sagte ein Feuerwehrsprecher. Dadurch sei der Weg frei in einen der Keller des Archivs, aus dem nun Dokumente geborgen werden könnten.

Behörden weisen Vorwürfe zurück
Die Kölner Behörden wiesen unterdessen Vorwürfe über mögliche Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Einsturz zurück. Senkungsrisse im Mauerwerk des Archivs seien von mehreren Sachverständigen als unbedenklich eingestuft worden, betonte Stadtsprecher Gregor Timmer am Dienstagabend. «Nach derzeitigem Kenntnisstand sind die Risse nicht die Ursache für den Einsturz.» Der langjährige Abteilungsleiter des Archivs, Eberhard Illner, hatte das Unglück wegen der Risse als «absehbare Katastrophe» bezeichnet.

Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) hat sich am Mittwoch über die Arbeiten an der Unglücksstelle informiert. Die Sorge gelte vor allem möglichen Verschütteten, sagte Schramma, der seinen Urlaub in Österreich abgebrochen hat, am Morgen im ARD-«Morgenmagazin».

Bergung der Dokumente hat begonnen
Nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln haben Rettungskräfte mit der Bergung von ersten Dokumenten begonnen. Feuerwehrleute seien zu einem weitgehend unbeschädigten Flachbau des Archivs vorgedrungen, sagte ein Feuerwehrsprecher am Mittwochmorgen. Aus dem Keller werde nun Archivmaterial geborgen, in ein Zwischenlager gebracht und dort inventarisiert. Laut Feuerwehr werden weiter zwei bis fünf Menschen vermisst.

Die Kölner Behörden weisen Vorwürfe über mögliche Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Einsturz zurück. Foto: ddp Die Bergungsarbeiten seien «sehr kompliziert und äußerst mühsam», sagte der Feuerwehrsprecher. Die Rettungsmannschaften versuchten demnach in der Nacht, über die Rückseite des Geländes einen Zugang für Kranfahrzeuge und schweres Räumgerät zu schaffen. Dazu müssten mehrere Garagen abgerissen werden, sagte der Feuerwehrsprecher. «Diese Arbeiten sind momentan im Gange.»

Bevor mit der Suche nach Vermissten begonnen werden kann, müssen laut Feuerwehr Räumfahrzeuge auf das Gelände fahren können, um die Dachtrümmer der beiden ebenfalls eingestürzten Nebengebäude des Archivs abzutragen. Außerdem müsse der Hohlraum unter der Unglücksstelle mit Beton stabilisiert werden. Die Rettungskräfte sollten die Vorarbeiten bis zum Vormittag abschließen, hieß es.

Ursache offenbar ein Erdrutsch
Nach dem Einsturz des Archivs und zweier Nachbarhäuser am Dienstag waren die Behörden zunächst von bis zu neun Verschütteten ausgegangen. Die Ursache des Unglücks steht nach ersten Erkenntnissen offenbar in Zusammenhang mit dem U-Bahn-Bau in der Kölner Südstadt. Demnach führte ein Erdrutsch in dem Gleiswechselbauwerk unterhalb des Archivs zum Einsturz des Gebäudes.

Das vierstöckige Haus im Kölner Severinsviertel war am Dienstagmittag auf die Straße und in eine nahe gelegene U-Bahnbaustelle gekippt. Zwei benachbarte Wohngebäude fielen teilweise in sich zusammen. Das Archiv umfasst Dokumente aus mehr als tausend Jahren Kölner und rheinischer Geschichte, unter anderem 65 000 Urkunden, 104 000 Karten und eine halbe Million Fotos. Auch zahlreiche Nachlässe, darunter der des Schriftstellers Heinrich Böll, befinden sich in dem Archiv. Die früheste Urkunde stammt aus dem Jahr 922. (afp/ddp/ap)

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