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Spenden für das Denkmal von Kleist (theft sculptures Frankfurt, Germany)

Spenden für das Denkmal von Kleist
Donnerstag, 23. Oktober 2008 02:42 – Von Jeanette Bederke

So viel Aufmerksamkeit hatte Heinrich von Kleist in seiner Geburtsstadt schon lange nicht mehr: Bisher unbekannte Buntmetalldiebe haben vom Denkmal des berühmtesten Frankfurters in der vergangenen Woche drei wertvolle Bronzereliefs gestohlen, um die Metalltafeln vermutlich bei einem Schrotthändler zu verhökern.

Eine peinliche Angelegenheit ausgerechnet zu Beginn der traditionellen Kleistfesttage – zumal die Polizei bis heute keine Spur von den Tätern hat und die Frankfurter Stadtverwaltung mit dem Verlust eine Woche lang zögernd und wenig feinfühlig umging.
Die Anfertigung von Repliken würde rund 5000 Euro kosten, hatte Frank Drömert vom städtischen Kultureigenbetrieb schnell errechnet. Doch statt umgehend für Ersatz zu sorgen, wollte Oberbürgermeister Martin Patzelt aus Kostengründen lieber erst einmal abwarten, ob die 1910 vom Berliner Bildhauer Gottlieb Elster geschaffenen Reliefs mit Darstellungen aus Kleists berühmtesten Werken vielleicht von allein wieder auftauchen würden. Schließlich ist das Stadtsäckel chronisch klamm und der magere Jahres-Etat von 15 000 Euro zum Erhalt der 270 städtischen Kunstwerke für 2008 bereits aufgebraucht.
Mit dem Verweis auf fehlendes Geld beschwor das Frankfurter Stadtoberhaupt allerdings schnell Kritik herauf. Schließlich will die Kommune 2011, 200 Jahre nach dem Freitod des Dichters, Hauptveranstalter eines deutschlandweiten Kleist-Jahres sein. Da werde sie doch wohl 5000 Euro für die Komplettierung des Kleist-Denkmals aufbringen können, lauteten die Vorwürfe. Überlegungen, den Verlust durch weitaus billigere, aber nicht witterungsbeständige Gipskopien zu ersetzten, wurden wegen Widerstands und Spotts aus der Bevölkerung schnell verworfen.

Geradezu demonstrativ spendeten Gäste der Kleist-Festtage aus Frankfurts Partnerstadt Heilbronn die ersten Euros für eine Neuanfertigung der Bronzereliefs. Viele Frankfurter folgten, das Spenden-Konto des Kleist-Museums füllt sich inzwischen. Und so rang sich jetzt schließlich auch die Stadtverwaltung dazu durch, die Metalltafeln erneuern zu lassen. Glücklicherweise hatte Frankfurt auf Empfehlung des Restaurators, der das Denkmal vor wenigen Jahren sanierte, Gipsabdrücke der Reliefs anfertigen lassen, die nun als Vorlage für den Guss der Repliken dienen können.
Zu den bekennenden Spendern gehört auch ein Polizist, der gleichzeitig die Gründung eines Vereins für den Erhalt und Schutz von Frankfurts Kunstwerken im öffentlichen Raum anregte. Denn unübersehbar hat die Stadt ein Problem mit dem Vandalismus. Wohin man auch schaut – das Stadtbild ist geprägt von Figuren, denen der Arm abgesägt wurde, Skulpturen aus Bronze oder Stein, die mit Farbe beschmiert wurden, und leeren Sockeln, die davon zeugen, dass an dieser Stelle Kunstwerke verschwunden sind. Selbst vor den Styropor-Hähnen, die als Frankfurter Wappentier an öffentlichen Plätzen für die Stadt werben sollten, machten Randalierer nicht halt: Sie droschen so lange auf die Figuren ein, bis sie kaputt gingen.
So gibt es laut Drömert im Rathaus bereits Überlegungen, die Kunstwerke dauerhaft in einem Depot einzulagern. Er will jedoch vor Zerstörungswütigen nicht kapitulieren. “Öffentliche Kunst sollte öffentlich bleiben”, sagt er. “Es kann nicht sein, dass eine barbarische Minderheit uns zwingt, Kunst wegzuschließen”, meint auch Frankfurts Bürgermeisterin Katja Wolle. Der aktuelle Diebstahl wird nun zum Anlass genommen, um eine Kampagne gegen Vandalismus zu starten. Bei der “Aktion Schandfleck” werden beschädigte Kunstwerke mit Hinweistafeln gekennzeichnet, um die Bürger zu mehr Aufmerksamkeit zu animieren. Laut Drömert soll das Kleist-Denkmal nach der Reparatur besser gesichert werden: Mit einem Rundweg um die Skulptur, Halogenstrahlern in der Nacht und einer Videoüberwachung.
Weitere Berichte aus Brandenburg: www.morgenpost.de/brandenburg

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