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Museum theft – Nashornhornklau auch in Ritterhausmuseum Offenburg – badische-zeitung.de

Offenburg: Tierfrevel: Nashornhornklau auch in Offenburg

22. Juni 2011 11:43 Uhr

Tierfrevel

Diebe suchen gezielt Museen heim, um Nashorn-Ausstellungsstücke zu stehlen. Auch dem Ritterhausmuseum in Offenburg kam eines abhanden.

Das Museum besitzt die Jagdtrophäensammlung von Gretchen und Hermann Cron, die im Offenburger Stadtwald eine Jagd und ein Jagdhaus besaßen und zwischen 1925 und 1949 immer wieder nach Afrika reisten, um mit Kamera und Karabiner auf Großwild zu schießen. Ausgestopfte Löwen, Leoparden oder Gazellen bevölkern als Hinterlassenschaft der Crons das Obergeschoss des Offenburger Museums im Ritterhaus, aber auch Kopftrophäen oder noch geschmackloserer Nippes aus Tierkadavern: etwa ein präparierter Elefantenfuß, der zum Champagnerkühler umgearbeitet wurde oder eben zwei Nashornhörner, die wohl als Tintenfässer einer Schreibtischgarnitur dienten.

Eben dieses Ausstellungsstück der Sammlung Cron (siehe Foto unten) war eines Tages des Jahres 2008 plötzlich aus der Ausstellung verschwunden. “Das Objekt war festgeschraubt. Aber jemand mit einem passenden Schraubenzieher hat das in einem unbeobachteten Moment entfernen können”, erklärt Regina Brischle auf Anfrage. Natürlich habe man den Diebstahl zur Anzeige gebracht. Aber auf dem Polizeirevier haben man wenig Hoffnung auf ein Wiedersehen gemacht: “Die Hörner werden sofort pulverisiert, haben und die Beamten erklärt”, berichtet Regina Brischle. Wahrscheinlich können die Offenburger Museumsleute sogar noch froh sein, dass nicht auch die zweite Nashorntrophäe der Sammlung Cron ihrer Hörner beraubt wurde. Diese Kopftrophäe hängt in dreieinhalb Meter Höhe an der Wand und war den Dieben damals offensichtlich unerreichbar.

“Die Hörner werden sofort pulverisiert.”

Polizist des Reviers Offenburg

Der Diebstahl in Offenburg war möglicherweise noch ein Einzelfall. Neuerdings scheinen die Täter systematischer vorzugehen. Wie die Wochenzeitung Die Zeit in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, wurden seit Februar dieses Jahres dem Consortium of European Taxonomic Facilities (Cetaf), einem Netzwerk naturwissenschaftlicher Forschungssammlungen in ganz Europa, neun Einbrüche in Museen gemeldet. In diesem Jahr hat es laut diesem Bericht bereits das Naturkundemuseum in Bamberg, das Jagdmuseum Wulff im niedersächsischen Oerrel und das Zoologische Museum der Universität Hamburg erwischt. Ebenso Museen in Spanien, Portugal, England, Italien und Frankreich. In Museumskreisen wird derzeit dringend empfohlen alle Nashornoriginale aus den Schausammlungen zu entfernen.

Für Die Zeit hat die ehemalige BZ-Redakteurin Claudia Füßler die Geschichte recherchiert. Danach gilt das Mehl aus Nashornhorn als beliebtes Heilmittel in ostasiatischen Ländern. In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird dem Hornmehl eine fiebersenkende Wirkung zugeschrieben, außerdem soll es gegen Epilepsie, Malaria, Abszesse und Vergiftungen helfen. Die Verwendung als Potenzmittel, die gern kolportiert wird, sei dagegen zweitrangig. Besonders in Vietnam blühe der Handel mit dem Hornmehl. Für 100 Gramm Pulver würden Käufer dort 2000 Euro bezahlen. Mit rund 14 000 Euro pro Kilo werde Nashorn auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Bei einem kompletten Nashorn, das zwischen zwei und zehn Kilogramm wiegt, kommt da viel Geld zusammen. Kein Wunder also, dass der systematische Museumsdiebstahl zunimmt, der um so vieles leichter und bequemer ist, als die wehrhaften Tiere in den Nationalparks von Afrika, Indien oder auf Java oder Sumatra abzuschlachten.

Im Offenburger Ritterhausmuseum hat man die Signale gehört. Videoüberwachung und eine besondere Schulung der Aufsichtskräfte soll das letzte verbliebene Nashorn schützen.

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