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Kunstschätze, Museen, unbewachte Kirchen: Jährlich werden in Frankreich 2000 Kunstdiebstähle verzeichnet. Kunsthändler haben oft ihre Finger mit im Spiel

Frankreich als Hauptziel
Kunstdieben auf der Spur
Kunstschätze, Museen, unbewachte Kirchen: Jährlich werden in Frankreich 2000 Kunstdiebstähle verzeichnet. Kunsthändler haben oft ihre Finger mit im Spiel.
Und plötzlich ist die Wand im Museum leer:
(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)
Der französische Polizeioberst Stephane Gauffeny hat das neue Jahr mit einem Berg von ungelösten Fällen begonnen. Seine Aufgabe ist es, in Frankreich gestohlene Kunstschätze wieder aufzuspüren. “Das ist ein enormer, aber faszinierender Job”, sagt Gauffeny. 2000 Kunstdiebstähle würden in Frankreich pro Jahr verzeichnet.
Der internationalen Polizeibehörde Interpol zufolge steht Frankreich mit seinen zahllosen Kulturschätzen und Museen, die jährlich von Millionen von Touristen anziehen, neben Italien weltweit an der Spitze der Kunstdiebstähle. Vermutlich in der Nacht zu Silvester wurde in Marseille das Bild “Les Choristes” (“Die Chorsänger”) von Edgar Degas im Wert von 800.000 Euro von der Wand eines Museums gestohlen. Bei zwei anderen Kunstwerken, darunter ein weiterer Degas, zeigen Spuren, dass die Diebe auch diese mitgehen lassen wollten, sie aber nicht aus den Halterungen lösen konnten.
Kunsthändler an Hehlerei beteiligt
Drei Tage später traf es dann einen Privatmann, aus dessen Villa in Südfrankreich 30 Gemälde im Wert von rund einer Million Euro verschwanden, darunter Werke von Picasso. Im Juni brachen Diebe sogar in das Pariser Picasso-Museum ein, wo sie ein Skizzenbuch des Künstlers entwendeten, dessen Wert von der Regierung auf drei Millionen Euro beziffert wird. Die Langfinger nutzten dabei offenbar Bauarbeiten, die gerade wegen als zu lax kritisierter Sicherheitsvorkehrungen angesetzt worden waren.
Oft handelt es sich bei Diebstählen der Werke bekannter Künstler um Auftragsarbeiten. “Je wertvoller ein Werk ist, desto schwieriger ist es zu verkaufen, weil jedermann das Objekt kennt”, sagt Kunstexperte Didier Rykner, der über solche Fälle in seinem Online-Journal “La Tribune de l’Art” berichtet. Die wertvollsten Kunstschätze würden von professionellen Hehler-Ringen oft noch am Tag des Diebstahls außer Landes geschafft, sagt Gauffeny. “Die meisten Leute, die an der Hehlerei beteiligt sind, sind echte Kunsthändler.”
Kirchen oft unbewacht
Durch bessere Sicherheitsmaßnahmen seien die Diebstähle im vergangenen Jahrzehnt aber um drei Viertel gesunken, sagt der Polizeioberst. Das größte Problem seien inzwischen Provinzmuseen und in noch stärkerem Maße Kirchen, weiß Kunstexperte Rykner. “In Gotteshäusern gibt es bedeutende Kunstwerke, die nicht gut bewacht werden.”
Weniger teure und damit weniger bekannte Gegenstände blieben oft in Frankreich und würden gelagert, bis sie nach einiger Zeit wieder auf den Markt gebracht würden, sagt Gauffeny. Bei Lyon stieß die Polizei vor einigen Jahren auf ein Lager von hunderten Quadratmetern Größe, nachdem es ihr gelungen war, einen Ring von Kunstdieben zu sprengen.
Interpol stellt Liste ins Netz
Zur Abschreckung hat Frankreich in den vergangenen Jahren die Strafen für Hehlerei verschärft. Und Interpol hat im August zudem einen Online-Katalog mit gestohlenen Kunstwerken ins Netz gestellt. Er listet hunderte in Frankreich entwendete Gemälde auf, aber auch wertvolle Kruzifixe, Kelche und andere Schätze, die über Jahrzehnte aus Kirchen entwendet wurden. Obwohl viele wohl für immer verschwunden bleiben werden, liebt Gauffeny seinen Job, der zuweilen auch bewegende Momente mit sich bringe. “Wenn wir ein aus einer Kirche gestohlenes Objekt zurückgeben, kommt das ganze Dorf, um uns zuzusehen”, erzählt der staatliche Kunstfahnder.
Roland Lloyd Parry, AFP

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