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Bei den angeblich 2000 Jahre alten chinesischen Terrakotta-Kriegern im Museum für Völkerkunde handelt es sich lediglich um billige Kopien, die es in China an jeder Ecke für ein paar Euro gibt

Tonkrieger-Schau macht dicht!Direktor Köpke zieht Konsequenz aus Skandal um die gefälschten Figuren

UTE GEBAUER, CAROLA GROSSE-WILDE 

Scheibchenweise kam der Skandal ans Licht, jetzt steht zweifelsfrei fest: Bei den angeblich 2000 Jahre alten chinesischen Terrakotta-Kriegern im Museum für Völkerkunde handelt es sich lediglich um billige Kopien, die es in China an jeder Ecke für ein paar Euro gibt. Als Konsequenz will Museumsdirektor Wulf Köpke die Ausstellung sofort schließen. Bereits am Montag sagte ein Sprecher des Kulturamtes in Peking: “Wir haben gegenwärtig keine Ausstellung mit Terrakotta-Soldaten in Deutschland.” Einen Tag später musste die Leipziger Firma Center of Chinese Arts and Culture (CCAC), die die Ausstellung organisiert hat, zugeben, dass es sich um Kopien handelt. “Wir haben niemals den Begriff Originale benutzt”, sagte der CCAC-Sprecher Yolna Grimm und bekräftigte damit seine Angaben in den ARD-“Tagesthemen” vom Dienstag. In dem Vertrag, den seine Firma mit dem Völkerkundemuseum abgeschlossen habe, stehe, dass es sich um “authentische Scherbenfiguren aus Originalmaterial” handelt. Mit Originalmaterial sei Ton gemeint. “Das sind keine Originale. Authentisch heißt für uns Scherbenfiguren, lebensgroß, vergleichbar mit den Originalen.” “Wir haben einen Anwalt eingeschaltet und prüfen jetzt, was für Schritte möglich sind. Und wir haben der Firma CCAC gekündigt, mit solchen Partnern wollen wir nichts zu tun haben”, sagte Köpke der MOPO. In dem Vertrag, den das Museum mit der CCAC abgeschlossen habe, stehe eindeutig, dass es sich um Originale handelt. “Ich habe im Wörterbuch nachgeschlagen: echt, authentisch und original sind identische Wörter.” Auf die Frage, warum das Museum sich nicht selbst mit den Chinesen in Verbindung gesetzt habe, sagte Köpke: “Das ist nicht so einfach. Deshalb macht man ja so ein Paket, damit man nicht so viel Arbeit hat.” Er hoffe jedoch, dass die Besucher “das verzeihen können. Wir sind selber Opfer geworden”. Zu den Rücktrittsforderungen, sagte Köpke: “Die sehe ich gelassen.” Wichtig sei nur: “Wir haben nicht gelogen.” “Aus Sicht der Kulturbehörde ist Wulf Köpke nichts vorzuwerfen”, sagte deren Sprecher Björn Marzahn. Er habe die richtigen Maßnahmen getroffen und die Behörde regelmäßig über den Stand der Dinge informiert. “Die Personalfrage hat sich zu keinem Zeitpunkt gestellt und stellt sich auch nicht”, so Marzahn weiter. Im Völkerkundemuseum will man jetzt vor allem nach vorne blicken. “Wir ziehen unter diese Sache einen Schlussstrich und eröffnen am Freitag eine tolle Argentinien-Ausstellung.”  Info:Immer wieder Fälschungen in Museen Das Stockholmer Moderna Museet geht im November Warhol-Kopien auf den Leim, stellt unwissentlich sechs Fälschungen der bekannten “Brillo Boxes” des Pop-Art-Künstlers Andy Warhol aus. Insgesamt sollen ein Großteil der mehr als 100 bedruckten Schachteln vom “Typ Stockholm” auf dem internationalen Kunstmarkt Fälschungen sein. Im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig stellen sich im Mai 2007 römische Münzen zum Teil als Imitate heraus. Wegen Fälschungsverdachts beschlagnahmt die finnische Polizei 2004 in Helsinki mehrere Bilder von Salvador Dalí. Zwei Monate später der Beweis Alle 450 Gemälde in dem Ausstellungszentrum Wanha Satama sind gefälscht. In der Hamburger Kunsthalle stehlen Diebe im Mai 2002 eine Bronzeskulptur des Künstlers Alberto Giacometti und ersetzen sie durch eine plumpe Fälschung. Der Diebstahl wird erst drei Tage später von einer Mitarbeiterin des Museums bemerkt. Die Skulptur war während einer Veranstaltung mit 16000 Besuchern verschwunden. 1998 werden im Essener Museum Folkwang 150 Aquarelle des russischen Expressionisten Alexej von Jawlenskyals als Fälschungen enttarnt. Sie waren 1992 unter mysteriösen Umständen aufgetaucht.  (MOPO vom 13.12.2007 / SEITE 26-27) http://www.mopo.de/

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