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Auf Kunstmarkt laut Ermittlern immer mehr illegale Objekte; Computersystem unterstützt Ermittler bei Aufklärung von Kunstdelikten – Projekt des LKA Baden-Württemberg

Stuttgart (AP) Kunst hat eine große Anziehungskraft, besonders auf Diebe. Dabei muss es nicht die «Mona Lisa» oder Edvard Munchs «Der Schrei» sein, damit es Gaunern in den Fingern juckt. Marienstatuen oder archäologische Tonschüsseln sind beispielsweise genauso wie Gemälde geschätztes Diebesgut. Da Kunstdelikte kein Einzelfall sind, ermittelt das Landeskriminalamt Baden-Württemberg in einem eigenen Arbeitsbereich für Kunst und Antiquitäten.
Eine seit 2001 existierende Datenbank erleichtert dabei den Ermittlern die Arbeit. Das ausgeklügelte System ermöglicht eine schnelle Recherche und Aufarbeitung von Kunstdelikten. Wird ein Kunstwerk entwendet, werden Tatverlauf und ein Lichtbild des Objekts mit Gegenstandsbeschreibung in der Datenbank festgehalten. Inzwischen sind rund 20.000 Objekte gespeichert. «Sollte dann der Kunstgegenstand Jahre später tatsächlich irgendwo zum Vorschein kommen, können wir den Fall erneut durchleuchten», erklärt Wolfgang Schönleber, seit 1990 als Kunstermittler tätig, den Zweck der Datenbank. Hierauf können er und seine Kollegen per Laptop auch direkt am Ort der Ermittlung zugreifen.
Sabine Redulez ist eine von fünf Mitarbeitern des Arbeitsbereichs. Als Sachbearbeiterin fahndet sie am Computer. In ihrem Büro steht eine Pietà-Skulptur, die diesen Sommer in einer Wohnung in Oberschwaben entdeckt und sichergestellt wurde. Durch eine detaillierte Beschreibung des Objekts in der Datenbank kam schließlich zum Vorschein, dass es sich um eine 1977 in der Nähe von Bamberg entwendete Sakralfigur handelt. Auch als vergangenes Jahr auf einem Dachboden in Nordbaden ein Gemälde auftauchte, landete das LKA mit dessen Beschreibung in der Datenbank einen Treffer. Hierbei handelte es sich um Emil Noldes «Nadja», das jahrzehntelang verschollen war und vor wenigen Monaten für über zwei Millionen Euro unter den Hammer kam.
Was passiert, nachdem ein gestohlenes Kunstobjekt aufgefunden und sichergestellt wurde? «Im Normalfall wird das Bild gelöscht, der Verwaltungsteil, in dem unter anderem Tatzeit und -ort und Vorgehensweise des Diebes vermerkt sind, bleibt aber erhalten», sagt Redulez. In der Regel werden auch die Daten von Fällen, die 30 Jahre zurück liegen, aus dem System entfernt. Eine Ausnahme bilden sakrale Kunstgegenstände, deren Daten aufgrund einer Fundserie in den vergangenen Jahren länger gesichert bleiben.
Zwtl: Mit sakraler Kunst fing alles an
Mit dem Diebstahl sakraler Gegenstände begann einst die Tätigkeit des Arbeitsbereichs für Kunst und Antiquitäten des LKA Baden-Württemberg. In den 70er Jahren war sakrale Kunst wie Skulpturen und liturgische Geräte bei Dieben großer Beliebtheit. Man begann, die Sachfahndung zu dokumentieren und in Karteien abzulegen. «Man hat die Ermittlungen allmählich auf andere Kunstgegenstände ausgeweitet und ist schließlich auch im Bereich der Fälschungen aktiv geworden», sagt Schönleber.
Dementsprechend sind heute neben gestohlenen Kunstwerken auch Fälschungen als Arbeitsdateien im System hinterlegt worden. «So können wir nachvollziehen, ob ein Objekt zum wiederholten Male angeboten wurde und von wem», erklärt Schönleber. Denn anders als zum Beispiel in Frankreich werden gefälschte Kunstgegenstände in Deutschland nicht vernichtet. Nicht selten werden deshalb in Deutschland, Fälschungen wiederholt dem Kunstmarkt zugeführt. Für zusätzliche Dynamik hat der Fall des Eisernen Vorhangs gesorgt. «Seit der Ostöffnung verzeichnen wir einen Anstieg an illegalen Objekten auf dem Kunstmarkt. Uns geht die Arbeit nicht aus», sagt Wolfgang Schönleber. Angesichts rund 20.000 in der Datenbank gespeicherter Objekte will man ihm das gerne glauben.

Press release: www.pr-inside.com

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