Museum Security Network

Erfahrungsaustausch "Sicherheit in Museen"

Erfahrungsaustausch “Sicherheit in Museen”

Als vor 98 Jahren die Mona Lisa aus dem Louvre gestohlen wurde, belächelte man Kunsträuber oft noch als fehlgeleitete Kunstliebhaber. Heute ist Artnapping hingegen zum knallharten Geschäft geworden.

Dies wurde auf dem 4. Erfahrungsaustausch „Sicherheit in Museen“ in der Münchener Pinakothek der Moderne deutlich, der in Zusammenarbeit von der Bayerischen Staatsgemäldesammlung/ Doerner Institut, der Munich Re Group (Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft) und dem Bayerischen Landeskriminalamt veranstaltet wurde. So gehen die Täter heute deutlich brutaler vor und das Entwenden von zuvor gut ausgewählten Kunstgegenständen wird als Druckmittel für Erpressungen eingesetzt.

In der Münchner Pinakothek der Moderne fand der 4. Erfahrungsaustausch zum Thema Sicherheit in Museen statt. (Bild: Kalscheuer)
Unersetzbarer kultureller Verlust
Laut dem LKA Bayern entstehen durch solche Diebstähle weltweit jährliche Schäden im geschätzten Wert von rund fünf Millarden US-Dollar. Wenn über 24.000 Exponate pro Jahr aus Kirchen und Museen verschwinden, stellt sich nicht nur die Frage, wo die Kunstwerke abgeblieben sind, sondern vor allem, wie solchen Verlusten vorgebeugt werden kann. Denn neben dem materiellen Wert, für den meistens die Versicherungen aufkommen, besitzt ein Großteil dieser Werke einen kulturellen oder geschichtlichen Wert, der mit Geld weder auszugleichen noch zu ersetzen ist.

Da die Kunstkriminalität professionell aufgerüstet hat, müssen die Museen Gegenmaßnahmen treffen, auch wenn die Ausstellungsräume nicht zu Hochsicherheitstrakten werden sollen. „Die Exponate sollen schließlich nicht zu Deponaten werden“, meinte Eckhard Schärper von der Münchener Rück. Da die Kunstwerke den Besuchern weiterhin zugänglich gemacht werden sollen, gilt es, sie bestmöglich vor Diebstahl, Brand oder Beschädigungen zu schützen. Brandschutz und Technik sollten seiner Meinung nach idealerweise so konzipiert werden, als sei man nicht versichert – also mit einem hohen Sicherheitsanspruch.

Denkmalschutz und Sicherheit
Dass die Gesamtzahl der Kunstdiebstähle 2008 laut polizeilicher Kriminalstatistik in Bayern um fast 17 Prozent zurückgegangen sind, liegt nach Angaben des LKA Bayern vor allem an der sinkenden Nachfrage an Kunstgegenständen und den verbesserten Fahndungsmöglichkeiten über das Internet.

Josef Moosreiner vom Sachgebiet 514 (Sicherheitstechnik) im bayerischen Landeskriminalamt gab Einblick in die kriminaltatktischen Überlegungen in Hinsicht auf Museen. Dabei sei nicht nur wichtig, wie weit außerhalb das Gebäude liege, sondern auch, ob einbruchhemmende Fassaden und durchwurfhemmende Fenster verbaut seien. „Der Denkmalschutz gehört dabei zu den natürlichen Feinden des Sicherheitsexperten“, bemerkte Moosreiner mit einem Augenzwinkern. Auch historische Holztüren und denkmalgeschützte Kastenfenster könnten heute gut gesichert werden, beispielsweise mit abschließbaren Fenstergriffen. „Und kleine Exponate sollten weit weg von Eingängen oder Fluchttüren platziert werden“, warnte Moosreiner davor, es den Dieben zu leicht zu machen.

Private Sicherheitsdienste
Sein Kollege Martin Möhring rief die Teilnehmer der Veranstaltung dazu auf, elektronische Lösungen wie Zutrittskontrolle, Videoüberwachung, Einbruchmeldeanlagen und Bewegungsmelder zur Überwachung von Museen zu nutzen. Beim Thema direkte Alarmmeldung an die Polizei stellte sich allerdings heraus, dass hier nicht jedes Bundesland die gleichen Möglichkeiten besitzt. In Berlin und Nordrhein-Westfalen ist dies nicht möglich, hier müssen vorab erst beauftragte Sicherheitsdienste vor Ort einen Alarm überprüfen.

Über 200 Besucher aus Versicherungen, Museumsbetrieb, Polizei sowie Facherrichter nahmen an der Veranstaltung teil. (Bild: Kalscheuer)
Für ein Zusammenspiel von personellen, elektronischen und mechanischen Schutzmaßnahmen plädierte anschließend Stefan Satzger von der Versicherungskammer Bayern, die als öffentlicher Versicherer für staatliche Museen agiert. „Der Verlust eines Kunstwerks bedeutet nicht nur einen unersetzbaren Schaden kultureller Art, sondern schädigt auch das Image des Ausstellungshauses gegenüber Leihgebern“, erklärte Satzger. Ein privater Sammler, dem ein Stück abhanden gekommen oder beschädigt worden sei, würde sicherlich nicht noch einmal mit dem verantwortlichen Museum zusammenarbeiten wollen. Seiner Meinung ist aber auch das Sicherheitspersonal ein wichtiger Baustein im Sicherheitgebilde: „Sicherheitsdienstleister müssen Mindestvoraussetzungen nach § 34a der Gewebeordnung wie IHK-Werkschutzlehrgänge absolviert haben. Anderenfalls kauft man sich zu einem niedrigen Preis das eigene Sicherheitsrisiko ein.“

Grasp-Standard und Transportsicherheit
Wie sie das Risiko einer Beschädigung von Kunstgegenständen bei Transporten minimiert, stellte die Spedition Hasenkamp auf der Veranstaltung vor. Immerhin können kurzfristige Schwankungen in der Luftfeuchte oder Temperaturveränderungen um zwei Grad Celsius empfindliche Werke unwiederbringlich zerstören. Dr. Hans Jürgen Kronauer stellte in seinem Beitrag vor, wie die AXA-Art Versicherung AG die Risikobewertung von Transporten angeht. So wird im Rahmen des Grasp-Standards (Global Risk Assessment Platform) anhand eines Fragebogens mit 1000 Fragen eine Risikoanalyse von Ausstellungsstätten, Museen und Lagerhäusern vorgenommen. Die Sicherheitsbeurteilung in Bezug auf Notfallpläne, Feuersicherheit, Gebäudestruktur und Naturgefahren wird anhand einer Prozentzahl (Score) oder mithilfe eines farblichen Ampelsystems abgebildet. Bei Kunsttransporten wird die Versicherbarkeit durch eine Analyse von der Transportstrecke „von Nagel zu Nagel“, den Transportmitteln und den vorhandenen Sicherungsvorkehrungen wie Klimakisten und zusätzliches Aufsichtspersonal beurteilt.

Vorsicht und Alarmanlagen
Von in Verpackungsmaterial verschollenen und erst nach Monaten vermissten Kunstschätzen wusste Dr. Georg Freiherr von Gumppenberg (Allianz Deutschland AG) zu erzählen. Er warnte auch vor den unterschätzten Gefahren in Lagerräumen. „Wenn schon eine wasserführende Leitung durch die Lager verläuft, dann sollten wenigstens an eine Alarmanlage gekoppelte Schwimmer installiert sein“, sagte er. Auch sei immer noch nicht überall üblich, Kunstwerke zumindest auf Paletten, statt direkt auf den Boden zu stellen. Im Vergleich zum Museumsbetrieb sah er auch bei Ausstellungen eine erhöhte Gefahr für die Kunstwerke. So seien schon beim Gestikulieren der Ausstellungbesucher Ellenbogen und Wassergläser in wertvollen Gemälden gelandet.

Die Elcon Elektrontechnik Consult GmbH stellte anschließend das Sicherungskozept eines Museums aus der Sicht eines Planers vor, und die Firmen Rode und Sick präsentierten den Einsatz von elektronischen Sicherheitssystemen für Museen vor. Diese reichten von Laserscannern bis zur kapazitiven Sicherung, bei der eine Annäherung an das Kunstobjekt durch die Veränderung seines elektrischen Feldes einen Alarm auslöst, ohne dass dieses berührt werden muss.

Britta Kalscheuer

http://www.sicherheit.info/SI/cms.nsf/si.ArticlesByDocID/2103505?Open&Channel=SI-WI-SK

Leave a Reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d bloggers like this: